ChatGPT für Juristen: effizienter arbeiten mit KI & moderner Kanzleisoftware
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KI-basierte Textassistenten wie ChatGPT von OpenAI Gemini von Google oder Claude CoWork von Anthropic bergen riesiges Potenzial, Arbeitsprozesse in Kanzleien wesentlich effizienter zu gestalten. ChatGPT unterstützt bei der Erstellung von Schriftsätzen- und Vertragsentwürfen, übersetzt Juristendeutsch in verständliche Mandantensprache, hilft beim Brainstorming für Argumentationsketten und arbeitet die Essenz von Urteilen oder Gutachten heraus. Allerdings bringt der Einsatz von generativen KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude CoWork auch Sicherheitsrisiken mit sich. Viele Kanzleien und Rechtsanwälte zögern daher noch, sie als Werkzeug für ihre tägliche Arbeit einzusetzen.
Dabei gibt es durchaus Wege für Anwälte und Kanzleien, KI-basierte Anwendungen zu nutzen, ohne gegen die strengen Datenschutz-Regeln der DSGVO oder berufsrechtliche Pflichten zu verstoßen. Dieser Artikel beleuchtet die Chancen und Grenzen des Einsatzes von ChatGPT für Juristen. Zudem zeigt er auf, wie sich Text-Chatbots oder vergleichbare KI-Legal-Tech-Lösungen sicher und effizient in die Kanzleiorganisation integrieren und mit moderner Kanzleisoftware wie Advolux kombinieren lassen.
ChatGPT für Juristen im Überblick
KI-Tools wie ChatGPT, Gemini und Claude sind mächtige Assistenten für all diejenigen, die mit Texten zu tun haben. Daher eignen sie sich auch für den Einsatz in der juristischen Arbeit. Kanzleien können die Chatbots oder speziell für Juristen konzipierte Legal-Tech-KI zum Entwurf von Schriftsätzen, für rechtliche Analysen, Recherchen und zur Mandantenkommunikation nutzen. KI kann als effizientes Hilfsmittel die Kanzleiarbeit deutlich beschleunigen – vorausgesetzt, die Anwendenden wissen sie richtig und sicher einzusetzen.
ChatGPT und Recht: Warum sich KI ideal für die Arbeit von Juristen eignet
KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude CoWork und Gemini basieren auf sogenannten Large Language Modellen. Sie werden mit riesigen Mengen an Textdaten trainiert, analysieren Texte, erkennen sprachliche Muster, berechnen Wahrscheinlichkeiten für Wortfolgen und erzeugen daraus in Sekundenschnelle, orientiert an entsprechenden Befehlen – in der Expertensprache Prompts – neue Dokumente. Ideal sind diese Anwendungen, die auch generative KI-Tools genannt werden, insbesondere für Texte, die immer wiederkehrenden Strukturen folgen, wie es zum Beispiel im rechtlichen Kontext der Fall ist.
Die Chancen: Warum ChatGPT für Juristen immer wichtiger wird
Viele Rechtsanwälte stehen unter permanentem Zeitdruck. Workload und Bürokratie nehmen zu. Mandanten werden immer anspruchsvoller; sie erwarten schnelle Antworten, auch außerhalb der Kanzlei-Öffnungszeiten. Gleichzeitig wird es immer komplizierter, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten.
Wege aus diesem Spagat führen über digitale Arbeitsprozesse, die mehr Effizienz in den Kanzleialltag bringen. Ein wesentlicher Baustein der digitalen Transformation in der Rechtsberatung ist Kanzleisoftware. Aber auch KI-Tools gewinnen in diesem Zusammenhang immer mehr an Relevanz.
Typische Anwendungsfälle von ChatGPT für Anwälte und Kanzleien
Als intelligenter Text-Assistent hilft ChatGPT Juristen dabei, Dokumente aller Art zu kreieren, zu bearbeiten, zusammenzufassen und zu analysieren.
Unterstützung bei Vertrags- und Schriftsatzentwürfen
Mit dem passenden Prompt (vgl. dazu Tipp 1: ChatGPT braucht präzises Prompt Engineering“) und detaillierten Hintergrundinformationen liefert ChatGPT innerhalb weniger Sekunden Vorschläge für alle Arten juristischer Texte: Verträge, Mandantenanschreiben, Mahnungen, Klageschriften und vieles mehr. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort Vorschläge. Bevor die Texte in den Postausgang gelangen, müssen sie zunächst vom Anwalt überprüft und in der Regel auch noch einmal geschärft und ergänzt werden. Trotzdem lässt sich mit der Vorarbeit der KI signifikant Zeit sparen.
Mandantenkommunikation leicht gemacht
Juristendeutsch ist für rechtsunkundige Mandanten oftmals nur schwer verständlich. KI-Tools wie ChatGPT brechen rechtlich komplizierte Sachverhalte schnell auf einfache Sprache herunter. Auch hier sollte stets der Gegencheck eines Juristen stattfinden, bevor der Text an die Mandantschaft gesendet wird.
Zusammenfassung und Analyse juristischer Texte
Anwälte studieren tagtäglich viele Seiten Literatur, Schriftsätze und Urteile. KI-Tools sind in der Lage, die Essenz von langen Texten, wie zum Beispiel juristischen Aufsätzen oder Gutachten, herauszuarbeiten und so den Leseaufwand signifikant zu reduzieren. Aber auch hier gilt: Verlassen Sie sich nicht hundertprozentig auf die Ergebnisse. Werten Sie sie als erste inhaltliche Orientierung.
Unterstützung bei juristischer Recherche
ChatGPT ist sowohl in der kostenlosen als auch in der Plus-Version weder juristische Datenbank noch ein verlässliches Tool zur Rechtsrecherche. Zur ersten Annäherung an ein juristisches Problem und zur Vorbereitung weiterführender Recherchen eignet sich ChatGPT für Juristen trotzdem. Wer sich bei seiner Arbeit auf kuratierte und aktuelle Rechtsquellen stützen möchte, muss in kostenpflichtige KI-Datenbank-Systeme wie zum Beispiel Haufe CoPilot für unterschiedliche Rechtsgebiete investieren.
Risiken des Einsatzes von ChatGPT für Juristen
Chatbots wie GPT, Claude und Gemini sind mächtige Tools, die auf jede Frage eine Antwort parat haben. Genau dies macht ihre Nutzung für Juristen aber auch so riskant.
Qualität der Daten
KI-Tools sind immer nur so gut, wie die Daten, mit denen sie gefüttert und trainiert werden. Vor allem in den kostenlosen, frei zugänglichen Versionen sind sie mit Vorsicht zu genießen. Im Gegensatz zu Legal-Tech-Programmen und -Datenbanken wie zum Beispiel DAOP, die auf sorgfältig kuratierten, permanent gepflegten und aktualisierten Daten basieren, können sie Ergebnisse liefern, die überholt oder sogar falsch sind. Diese Halluzinationen sind oft so überzeugend in den Antworten der Künstlichen Intelligenz verpackt, dass sie auf den ersten Blick plausibel wirken.
Datenschutz und berufsrechtliche Geheimhaltungspflicht
Immer wieder landen personenbezogene und andere sensible Daten im riesigen Pool an Trainingsdaten der allgemein zugänglichen KI-Versionen. Sie sind dann für jedermann einsehbar. Rückgängig machen lässt sich dies nicht. Um dem und dem damit einhergehenden Haftungsrisiko und Reputationsschäden vorzubeugen, helfen nur eine entsprechende Sensibilisierung der Mitarbeiter und klare Nutzungsregeln (siehe Tipp 4: Für KI sensibilisieren statt KI ignorieren).
Kanzleien und Anwälte, die in puncto Datenschutz und Geheimhaltung sicher gehen wollen, sollten sich in ihrer Arbeit auf KI-Tools stützen, die folgende Kriterien erfüllen:
- Die Daten werden innerhalb der Anwendung verschlüsselt gespeichert und unterliegen einer Zugriffskontrolle, das heißt, sie sind nur für autorisierte Mitarbeiter zugänglich. Sensible Daten werden so verarbeitet, dass Rückschlüsse auf natürliche Personen erschwert werden.
- Die Daten werden DSGVO-konform auf Servern in der EU gehostet.
- Der Anbieter trägt mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen den Anforderungen an Verschwiegenheit und den Schutz des Berufsgeheimnisses Rechnung (§ 43e BRAO, § 203 StGB).
Wichtig: Selbst wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, sind trotzdem auch noch die Anwender selbst gefragt, wenn es um Sicherheit geht. Sie sollten nur Informationen eingeben, die keine spezifischen Berufsgeheimnisse enthalten.
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Stefan Föll
Stefan Föll ist ein freiberuflicher Rechtsanwalt und Berater. Herr Föll ist als Consultant Lawyers bei der Haufe Group tätig sowie als Berater für die Kanzleisoftware Advolux.